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Sie sind zu fünft, eine Frau, vier Männer, gleich vor Downingstreet number 10: Jane Muthoni Mara, Ndiku Mutua, Paulo Nzili, Gitu Wa Kahengeri unt Wambugu Wa Nyingi, und sie erschüttern die Grundfesten Britanniens, das Habeas Corpus der alten konstitutionellen Monarchie. Wenn er noch leben würde, könnte Barak Obamas Großvater ebenfalls hier sein. Fünfzig Jahre sind vergangen, seit man sie, wie viele andere gefoltert hat, als von 1949 bis 1956 die Mau Mau in Kenia sich gegen die englische Kolonialherrschaft erhoben. Die Revolte wurde barbarisch unterdrückt und jetzt klagen die noch Lebenden gegen die Regierung des Vereinigten Königreichs.

Hussein Onyango Obama wurde in den ersten Tagen der Rebellion verhaftet. Man brachte in ein Hochsicherheitslager, wo er jeden Morgen geschlagen wurde, wo man wiederholt seine Hoden mit eisernem Folterwerkzeug gequetscht hat, seine Nägel und seine Schenkel mit Nadeln bearbeitete.

Ndiku Mutwiwa Mutua war 24 Jahre alt, als ihn 1957 Offiziere ihrer huldvollen Majestät kastrierten. Wäre da nicht diese Handvoll später Kläger, die Einzelheiten der grausamen Qualen wären vielleicht nicht ans Licht gekommen. Alle diesbezüglichen Dokumente hatten die Briten 1963 kurz vor der Unabhängigkeitserklärung heimlich mitgenommen.

Aber siehe da, nachdem nun diese Veteranen aus dem Nichts aufgetaucht sind und insistierten, hat das Londoner Außenministerium die Akten wiedergefunden. Jetzt steht die Frage im Raum: weshalb haben die Männer, die diese Verbrechen begingen, schriftlich und buchhalterisch darüber berichtet? War es etwa ihr Stolz? Waren sie derart gewissenlos und/oder dumm? Man hat sich getäuscht, wenn man bisher vielleicht dachte, im britischen Kolonialreich sei es zivilisierter zugegangen als im französischen, wo in Algerien Elektroschock, Vergewaltigung und andere "Drecksarbeiten" (Massenerschießungen) gegen militante Nationalisten zum Einsatz kamen.

Weitere Entdeckungen kündigen sich an: "Die Dokumente wurden versteckt, weil man die Schuldigen schützen und uns von jeder Schuld freisprechen wollte" sagte David Anderson, Oxford-Professor für Geschichte Afrikas in einem Interview der Times am Vorabend der Prozesseröffnung Anfang April. "Es geht nicht nur um Kenia. Werden also noch weitere Leichen in den Kellern des Außenministeriums auftauchen? Gibt es Geheimdokumente aus Zypern, aus Nigeria oder Rhodesien? Es ist höchste Zeit, dass diese Tatsachen ans Licht kommen, so unangenehm sie auch sein mögen..."

Heute leben nur noch 1400 Mau Mau Kämpfer. 12 000 wurden im Unabhängigkeitskrieg getötet, mehr als 70 000 kamen in Gefängnisse, die kein Vertreter der Vereinten Nationen je zu sehen bekommt... In ihrem Namen verlangen Jane Muthoni Mara, Ndiku Mutua, Paulo Nzili, Gitu Wa Kahengeri und Wambugu Wa Nyingi, angereist aus Nairobi am 4. April 2011, eine feierliche Reueerklärung und einen Hilfsfond für die Opfer. Entschädigung für das unmöglich zu entschädigende.

Das Außenministerium deutet bereits an, dass es jegliche Verantwortlichkeit verneinen würde.

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