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Die Tageszeitung The Mercury, die älteste der Provinz KwaZulu-Natal (Durban) in Südafrika, berichtet über eine scheinbar belanglose Begebenheit. Ein (junger) Mann hat seine (bezaubernde) Ehefrau töten lassen. Die beiden sind indo-pakistanischer Abstammung, die eine in Südafrika geboren, der andere in England. Auf den ersten Blick ein bedauerlicher Fall von Gewalt in der Ehe. Aber wenn man aufmerksam weiterliest, erfährt man auch, dass da Empfindlichkeiten einer alten Kolonie und ihres Exkolonisators auftauchen und wie Traditionen des ehemaligen Britischen Empires in Familien, in denen sie herumgeistern. für Frauen und Männer Verwirrung stiften.

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Shrien Devani hatte in Anni Hindocha "eine bezaubernde und charmante junge Frau getroffen, die er gern hatte" wie er einem Zeugen anvertraute, der anonym bleibt und geschützt wird, weil auch er Represalien der Hindu-Gemeinde fürchtet, der er angehört und deren Puritanismus bis zum Ehrenmord gehen kann. Shrin vertraute dem Freund weiter an "dass er, trotz aller guten Eigenschaften des Mädchens, nicht in sie verliebt gewesen sei, dass er aber die Verbindug nicht hätte lösen können, ohne dass seine Familie ihn ausgeschlossen und enterbt hätte". Also hat er sie umgebracht. Logisch! Umso mehr, als Shrien seiner Familie nicht gestehen konnte, dass er homosexuell ist. Der Affront wäre dann noch größer gewesen und ohne Zweifel wäre er es gewesen, der vermutlich getötet worden wäre. Qed.

Doch diesen intimen und gemeindeinternen Quidquilien überlagert sich heute noch etwas anderes. Shrien hat seine junge Frau in Südafrika ermordet, am 13 November 2010 in Kapstadt, wofür er einen Killer bezahlt hat. Er selbst hielt sich währenddessen meilenweit entfernt, im ruhigen Süden Londons auf. Die Südafrikanische Justiz verlangt seine Auslieferung, damit der Prozess auch für die Familie des Opfers in angemessener Form stattfinden kann. Ein ganz gewöhnliches Auslieferungsverlangen, denn es liegen vielfache und offenkundliche Beweise für die Schuld des Angeklagten vor. Eine Auslieferung zwischen zwei souverainen Staaten, die durch gemeinsame Interessen im Commonwealth verbunden sind. Dennoch ist es nicht sicher, dass das Gericht von Belmarch (in London) der Auslieferung zustimmen wird.

Die Anwältin von Shrien Devani führt nämlich tatsächlich an, dass die südafrikanischen Gefängnisse nicht den europäischen Normen entsprechen, dass die Haftbedingungen dort besonders schrecklich sind, und sein Mandant innerhalb weniger Minuten vergewaltigt werde, besonders wenn die Mithäftlinge von seiner Homosexualität erführen! Die Anwältin hat per Vido zwei Experten, Sasha Gear und Amanda Dissel befragt, zwei ehemalige Berichterstatter des Johannesburger Zentrums für Gewaltverbrechen und Versöhnung: "das Vergewaltigungsrisiko ist besonders hoch im Kapstädter Gefängnis, in das Devani aller Wahrscheinlichkeit nach käme, denn die dortigen Bandenchefs nähmen sich als "Frauen" alle Neuankömmlinge, besonders die, von denen sie wissen, dass sie homosexuell sind und, wie der junge Devani, frisch, gut erzogen, gestört (die gebräuchliche Bezeichnung für seine sexuelle Neigung!) und gut aussehend." Kann man wirklich sicher sein, dass in den Gefängnissen des Alten Erdteils derartiges ausgeschlossen is? Amnesty International berichtet Jahr für Jahr von sehr trüben Realitäten.

Bei alledem hatten die Richter in Südafrika in ihrem Auslieferungsgesuch sehr wohl klar gestellt, dass Shrien Dewani so sicher wie möglich untergebraucht werde, zumindest bis zum Urteilsspruch und auch danach. Vorläufig ist Shrien frei, wird von seiner Familie unterstützt, die nicht recht weiß, was sie zu den Anschuldigungen gegen ihn sagen soll. Den Eltern von Anni, die in London zugegen waren, bleibt nichts anders übrig als abzuwarten.