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Die Nachricht erschien trotz allem auf der Titelseite der République du centre, meinem beinahe Lieblingsblatt, seit ich in Montargis wohne... Europa fordert Frankreich dringend auf das Prinzip der Gleichberechtigung zu respektieren und Autofahrerinnen die gleichen Versicherungsbeiträge abzuverlangen, wie Autofahrern. Die Haftpflichtversicherung der Frauen am Steuer war wohl die letzte Domäne (und zweifelsohne auch die erste) in der das zweite Geschlecht im Vorteil war. Nachgiebig, ruhig, klug, von Testeron-bedingten Geschwindigkeitsräuschen und wüsten Beschimpfungsgesten frei, verursachen die französischen Frauen wesentlich weniger zerknautschtes Blech als die Männer. Das sagt die Statistik, das ist keine moralische, politische oder sexistische Feststellung, trotz aller Vorurteile und dummen Witze, die vom Gegenteil ausgehen

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Dergestalt profitieren die Frauen, zumal die jüngeren von einem Bonus, und ihre Versicherungsbeiträge liegen um ungefähr ein Viertel niedriger, als die der Männer. Und da kommt jetzt der Europäishce Rat, ruft die französischen Versicherungsgesellschaften zur Ordnung und bedroht sie mit Sanktionen. Diese tugendhaften Bürokraten erkennen hier im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter eine unerträgliche, sexistische Diskriminierung. Werden sie auch die französischen Unternehmer wegen der Ungleichheit der Löhne und Gehälter sanktionieren? Muss man diese Damen und Herren daran erinnern, dass Frauen bei gleicher Arbeit im Mittel 25% weniger verdienen? Ganz zu schweigen von der Hausarbeit, die, dem neuesten Familienbericht des INSEE (Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsforschung) zufolge, auch weiterhin den Kern männlicher Herrschaft darstellt.

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Christoph Regina ist kein Europafunktionär, sondern wohl Historiker. Er macht eine neue Front im Geschlechterkampf auf - natürlich sind die Männer die Diskriminierten. Er prangert die Gewalt von Frauen gegen Männer an. Und zwar nicht mit politischen, anthropologischen oder soziolischen Erklärungen der Motive und Gründe, - es sei an den glänzenden Text von Christine Fauré über die russischen Terroristinnen des 19ten Jahrhunderts erinnert, "Terre, terreur, liberté" (Land, Terror, Freiheit) - sondern um sie mit der Gewalt von Männern gegen Frauen zu vergleichen.

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Der Autor hütet sich wohl, Zahlen zu nennen (jährlich 75000 vergewaltigte Frauen in Frankreich , 410 000 Opfer von Gewalt in der Ehe, davon 166 mit Todesfolge: das bedeutet, alle zwei Tage eine getötete Frau...). Er greift ein paar berühmte historische oder mythische Fälle auf und meint, dass weibliche Misshandlung von Männern leider ein Tabu darstelle. Auch scheint er zu vergessen, dass zahlreiche Frauen aus Scham ihre Angreifer verschweigen. Hoffen wir, dass niemand auf so etwas hereinfällt und dass ein "Backlash" wie in Susan Faludi 1993 bereits angekündigt, ein kalter Krieg der Männer gegen die Frauen als Reaktion auf den Feminismus, ein Strohfeuer bleibt.