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Die Tageszeitung Njesawissima Gaseta, postsowjetisch und wie der Name schon sagt, unabhängig, hat eine gute Nachricht für uns: Eduard Limonow, Kultautor der 1980er Jahre, seinerzeit der Moskauer Anarchist der aus Russland ausgewiesen in die Vereinigten Staaten übersiedelte, um nach der Perestroika zurückzukommen und in der rassistischen extremen Rechten zu versinken, habe nun wohl ausgespielt. Sein Werdegang erinnert an Pariser Kommunarden, die wie einst Henri Rochefort zu den Helden der Revolution von 1871 zählten und um die Jahrhundertwende an der Spitze der Dreyfusgegner standen.

Ich gestehe, dass mir "Fuck off Amerika" gefallen hat, dass sowohl sein "Tagebuch eines Pechvogels" wie auch das "Selbstbildnis des Banditen als junger Mann" meinen Beifall fanden. Limonows autobiographische Erzählungen brachen mit dem sowjetischen Klassizismus und hatten gar etwas vom Schwung eines Céline, gewiss wie bei diesem vom Haß beflügelt.

Mit seiner Rückkehr nach Russland stieg Limonows Weltverachtung und der Dichter wurde zum Tribun, zum Gründer einer nationalbolschewistischen Partei in allerbester faschistischer, antisemitischer und rassistischer Tradition. Das Programm der starken Männer des Vereins war es, das heilige Russland zu säubern und auf den rechten Weg revolutionärer Reinheit zurückzuführen. Mit lautstarken Protesten, mit erhobenem Arm marschierenden Schwarzhemden, mit gewaltsamen Ausschreitungen, wennicht gar mit Morden. Uff!

Der Provokateur spuckte auf die Globalisieurng und ihm zufolge seien die Juden die glühenden Anhänger derselben. Er kehrte zum orthodoxen Glauben zurück und gab am Ende gar vor, sich dem radikalen Islam zu nähern, eine Art fundamentalistischer Reinheit zu verkörpern: Rückkehr zu den Quellen... Nocheinmal Uff!

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Aber die wohlwollende Geduld des Regimes mit Eduard Limonow und seinen Fanatikern scheint inzwischen verpufft. Umsonst hat die Partei ihren Namen geändert und sich in der Alles und Nichts bezeichnenden Formel "Das andere Russland" versteckt: fortan werden ihre Aktivisten gerichtlich verfolgt sowohl was die Zerstörung öffentlichen Eigentums angeht, wie im letzten Dezember auf dem Manege-Platz im Zentrum Moskaus, als auch wegen Verletzungen der Verfassung und Steuerhinterziehung.

Ist das jetzt die Folge einer Präsidentschaft, die sich in Gestalt des Mannes Dmitri Medwedjew stärker dem Recht zuwendet? Man hätte jedenfalls gern, dass ein gleiches Streben nach Gerechtigkeit auch im Fall Khodorkowski herrschte.